Endlagersuche (4/4): Von der Horrorstory zur Erfolgsgeschichte

Shownotes

Welche Rolle spielen Narrative in der Endlagersuche? Eine sehr große! Denn emotionale Erzählungen wirken oft stärker als reine Sachargumente. Während ein positives Narrativ der Endlagersuche die gesellschaftliche Verantwortung und Transparenz betont, dominiert auf kommunaler Ebene häufig die Angst, als Standort „zu verlieren“. Die Geschichte zeigt aber, dass sich Narrative im Zeitverlauf verändern können – und dass gezielte Strategien helfen könnten, Akzeptanz für zukünftige Standortentscheidungen zu fördern.   Moderation: Sarina Hüben, Regionalplanerin, Regierung von Unterfranken und Mitglied im ARL-Arbeitskreis “Endlagersuche” Gast: Oliver Weidlich, Regierung von Unterfranken und Ansprechpartner für Kommunen in Unterfranken für die Endlagersuche, Mitglied im ARL-Arbeitskreis “Endlagersuche”.   Ein kleines Glossar mit allen verwendeten Abkürzungen und Begriffen finden Sie hier: https://www.arl-net.de/de/content/glossar-zur-podcast-serie-endlagersuche

Die Aufnahme entstand im September 2025.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Einen guten Einstieg in das Thema bietet die Website des Bundesamtes für die Sicherheit in der Nuklearen Versorgung (BASE): https://www.base.bund.de/de/endlager/endlagersuche/endlagersuche.html Ein übersichtliches Video zum Thema hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung gemacht: https://www.base.bund.de/de/endlager/endlagersuche/endlagersuche.html Einen vertieften Einstieg bietet die Ringvorlesung TRANSENS des Leibniz-Universität Hannover: https://www.irs.uni-hannover.de/forschung/transens/ringvorlesung

Unser Podcast-Tipp: https://www.irs.uni-hannover.de/forschung/transens/veroeffentlichungen/podcast

Anregungen und Fragen können Sie per Mail an wiko@arl-net.de senden - wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Transkript anzeigen

00:00:11: So, guten Morgen!

00:00:26: Mein Name ist Serina Hüben.

00:00:28: Ich bin in der Landes- und Regionalplanung in Bayern verortet und über diese Tätigkeit mit der Endlagersuche in Kontakt gekommen.

00:00:35: Für die Folge sitze ich persönlich im Büro von Oliver Weidlich, er sitzt gegenüber.

00:00:41: Herr Weidrich ist Leiter des Sachgebietes Raumordnung, Landes- und Regionalplanung in der Regierung von Unterfranken in Würzburg und auch in der Akademie für Raumentwicklung in der Leitnitzgemeinschaft, Leiter das Forum Bayern.

00:00:54: Herr Weitlich, was ist Ihr Bezug zur Endlagersuche?

00:00:57: Ja hallo erst mal vielen Dank.

00:00:59: Schön dass wir hier miteinander sprechen können über das Thema.

00:01:02: Das Suchverfahren nach einem Entlage für den Atomölen sieht ja eine sehr intensive Öffentlichkeitsbeteiligung vor und die begannen mit der Diskussion der sogenannten Teilgebiete die günstige geologische Voraussetzung für die Endlagerung erwarten lassen Und die Bayerische Staatsregierung hat da entschieden, dass in jedem Regierungsbezirk auch ein Ansprechpartner für die Kommunen benannt sein soll.

00:01:27: Ich bin der Ansprech-Partner für Unterfranken geworden – also für die unterfränkischen Städte und Gemeinden.

00:01:32: Und Unterfranken ist insofern interessant weil es bei den Teilgebieten fast flächendeckend als möglicherweise geologisch geeignet dargestellt wurde.

00:01:41: Also gehört zu dem Fiftyf Prozent der Fläche Deutschlands, die möglicherweise geeignets sind hat aber auch historisch drei Gründe, warum es mit der Kernkraft in Deutschland stark verknüpft ist.

00:01:57: Und das wissen viele gar nicht, dass in unterfranken in Karl-Armein, Richtung Frankfurt, das erste Kernkraftwerk ins Netz gegangen ist in Deutschland.

00:02:07: Das weiß man deswegen nicht mehr, weil jetzt nur noch eine grüne Wiese ist, also komplett abgebaut worden.

00:02:12: Dann haben wir ja ein großes Kernkraftwerkt, das ist allerdings auch bekannt Rheinfeld.

00:02:18: Das ist ein wichtiger Energieversorger, über thirty-three Jahre gewesen für ganz Nordbayern und das ist zwanzig fünfzehn Jahr abgeschaltet worden.

00:02:28: Und das ist jetzt der letzte wichtige Punkt, der auch die Gemeinden dort sehr interessiert in Grafenrheinfeld an dem Standort des Kernkraftwerks, des Abgeschalteten und sich im Abbau befindlichen Kernkraftwerk Gibt es einen Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle?

00:02:44: Das heißt, dort lagern schon Kastoren die darauf warten irgendwo ihre endgültigen Bestimmungsort zu finden.

00:02:50: Danke für diesen Einblick in die Geschichte beziehungsweise auch das Einordnend von Unterfranken in die Bayern- und Deutschlandkarte für unsere Zuhörerinnen und Zuhöhrer.

00:03:00: Das heißt im Unterfranken im Raum Schweinfurt gibt es schon Erfahrungen mit der Akzeptanz von großen Infrastrukturprojekten wie dem Kernkraftwerkstab für Raumentwicklung.

00:03:11: in der Leibniz-Gemeinschaft beschäftigt sich in letzter Zeit meines Erachtens stärker mit der Bedeutung von Narrativen, zum Beispiel von solchen großen Infrastrukturprojekten oder von Energieplanungen.

00:03:22: Wie hat sich der Arbeitskreis daher auch das Thema fokussiert?

00:03:25: Oder was macht es in Ihren Augen spannend, sich mit Narratifen

00:03:28: auseinanderzusetzen?".

00:03:30: Uns ist klar geworden, dass es eben nicht ausreicht wenn man gute und verständliche Sachinformationen zur Verfügung stellt.

00:03:39: Und auch gute Formate für den Austausch wie das bei den Fachkonferenzenteilgebieten ja auch sicher war.

00:03:45: Auch große Online-Teilnahme.

00:03:47: Sondern dann muss ich damit auseinandersetzen was für Interessen, was für Narrative die Menschen bestimmen.

00:03:55: Das wirkt oft

00:03:56: Kraft

00:03:57: voller als das Sachargument.

00:03:59: Man muss sozusagen eher auf so eine zweite unbewusste Ebene auch

00:04:03: schauen.".

00:04:03: Das ist ja genau der Punkt, eben spannend für die Planerinnen und Planern, die uns auch zuhören.

00:04:10: also Narrative sind kraftvoller als das Sachargument!

00:04:14: Also gehen wir nochmal einen Schritt zurück.

00:04:16: was verstehen Sie eigentlich unter Narrativen?

00:04:19: Stimmt, das ist ne gute Frage.

00:04:21: vielleicht kann man es am Beispiel erst mal deutlich machen bei diesen Fachkonferenzen im über die geologischen geeigneten Teilgebiete.

00:04:28: Da ging es um ganz intensive Fachdiskussionen, die gingen zum Beispiel um die drei Wirtsgesteine und was hochtechnisch-hochwissenschaftlich-, geologisch-, mineralogisch geeignet ist und nicht geeignete ist.

00:04:40: Und dabei wurde auch immer vor sich hergetragen bei den Akteuren zu sagen wir wollen dieses wissenschaftsbasierte und transparente Verfahren.

00:04:49: aber eigentlich Und damit komme ich zum Punkt, habe ich ein anderes Ziel nämlich das Entlager zu verhindern in meiner Region.

00:04:57: Das heißt da liegt ein Narrativ zugrunde, nämlich eigentlich so was wie ein kleines Horrorszenario.

00:05:04: Ein Atomüllager ist das Schlimmste was meiner Region passieren kann weil man dann auf Ewigkeiten abgestempelt ist als Region und als Atomenklo als eine Giftmülldeponie.

00:05:17: Und erst mal sich bewusst zu machen, dass das ja eigentlich kein wirkliches Faktum ist sondern es sich wie gesagt um eine Erzählung handelt die in dem Köpfen stattfindet war es hilfreich ein Vergleich zu anderen Ländern herzustellen weil dort ganz andere Narrative vorherrschen.

00:05:34: also ich denke da vor allem an skandinavische Länder.

00:05:36: In Finnland war so in Schweden auch Da hat man das eher Nicht flächendeckend, aber punktuell gemeinten haben das als eine Ehre angesehen und sich dann auch darauf beworben auf diesen Standort.

00:05:47: Weil sie damit hochtechnologische Brillianz beweisen können dass sie technisch dazu in der Lage sind Und natürlich weil Sie davon ausgehen dass es vielleicht auch zu ihrem Wohlstand beitragen wird wenn sie so eine Aufgabe für die Gesellschaft übernehmen.

00:06:01: Also ich vielleicht jetzt noch mal etwas abstrakter gesprochen Narrative sind für mich sinnstiftende Identitätsstiften der Erzählungen die auf einfache Art und Weise eine Botschaft transportieren.

00:06:13: Und dadurch sind sie leicht anschlussfähig, auch überzeugend.

00:06:18: aber es ist mir noch wichtig zu sagen weil in der politischen Diskussion häufig narrativ als ein abwertender Begriff für etwas in der Diskussion benutzt wird.

00:06:28: Das sind doch nur Narrative.

00:06:29: das kann man nicht ernst nehmen.

00:06:30: Nein wenn ich sage narrativ Dann heißt das, da sind tiefere Wahrheiten enthalten.

00:06:35: Aber diese Wahrheiten können sowohl Fake News transportieren als auch können sie Wahrheiten erhalten?

00:06:42: Das ist sozusagen ein zweiter Schritt.

00:06:43: Der erste Schritt ist überhaupt festzustellen dass es eigentlich eine Erzählung ist die hier bestimmt wirkt.

00:06:49: Also danke für das Beispiel und den Vergleich!

00:06:52: Das hat's für mich jetzt anschaulich sicher auch für Sie im digitalen verständlich gemacht Und auch den Aspekt, Ganz tiefe Wahrheiten, vielleicht auch Werte unserer Gesellschaft dahinterstecken.

00:07:06: Das finde ich noch spannend.

00:07:07: für mich möchte jetzt auch ein Bild eine Metapher verwenden also das Wort des Dauerbrenners Radioaktivität Atomkraftwerke Zwischenlager Endlager sind doch bei uns im Grunde eher negativ am konnotieren.

00:07:23: Für die Podcastfolge haben wir uns jetzt auch die Frage gestellt, können diese negativen Zuschreibungen überwunden werden?

00:07:32: Also wir wollen als RaumplanerInnen wissen, welche Macht haben diese Bilder und diese Sprache im Verhältnis zu unserer sachlichen Abwägung, zu unseren Fachwissen.

00:07:43: Und da möchte ich jetzt nochmal konkreter fragen wie wird denn über die Endlagersuche wirklich gesprochen?

00:07:50: Wir haben den Eindruck gehabt dass bei dem großen Fachkonferenzen und zwei dominante Narrative vorherrschen in der Diskussion, die der Diskussionen zugrunde liegen lagen.

00:08:01: Und zwar ist hier eine – ich nenne es jetzt mal das positive Narrativ, dass auch von dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung so intendiert ist – ist die Erzählung, dass wir als deutsche Gesellschaft eine Verantwortungsgemeinschaft sind, nachdem wir die Entscheidung getroffen haben, Zeit alter zu beenden, dass wir nun den Schritt gemeinsam gehen die giftigen Überreste dieser Energieerzeugung aufzuräumen.

00:08:31: Und zwar anders als das in den siebziger Jahren geplant gewesen war mit einer Top-Down Entscheidung sondern wir machen das jetzt auf dem höchsten moralisch denkbaren und demokratisch denkbarer Niveau, nämlich maximal transparent, maximal wissenschaftsbasiert so dass dann frühere Fehler nicht mehr auftreten werden.

00:08:52: Das ist sozusagen das motivierende Narrativ was dass man immer wieder auch gespürt hat, übrigens auch interessant von Leuten die in den letzten Jahrzehnten Gegner intensiv gekämpft haben gegen die Kernkraft an sich.

00:09:06: Dass sie sich jetzt sozusagen versammeln und sagen okay wir finden es gut das diese Entscheidung so getroffen worden ist auszusteigen und deswegen kümmern wir uns jetzt um eine gute Entsorgung Das ist das Eine.

00:09:16: Ich muss sagen damit kann ich mich auch identifizieren da fühle ich mich ein bisschen ertappt da jetzt In einer anderen Generation über restliche Laufbahn meines beruflichen Lebens da dann vielleicht auch dazu beizutragen, dass ist die Motivation.

00:09:31: Was ist denn das zweite Narrativ an das sie denken?

00:09:34: Sie beraten ja in ihrer Tätigkeit vor allem den Kommunen.

00:09:37: Ist es ein Bild, das unter den Kommunen vorherrscht?

00:09:40: wie wird darüber über die Endlagersuche gesprochen?

00:09:43: Ja genau!

00:09:43: Das ist wirklich der gewisse Gegensatz würde ich so sagen.

00:09:47: also ich denke das wird von denen Kommunalpolitikerinnen, Kommunalpolitikern bin ich jetzt vielleicht einfach ein Bürgermeister einer Gemeinde oder einen Bürgemeister in einer Stadt nehme.

00:09:58: Die wird sagen ja das sehe ich auch so.

00:10:00: aber ein anderes Narrativ ist viel wichtiger nämlich Ich möchte nicht die A-Karte ziehen Das heißt ich möchte nicht am Ende als der Total Loser da sein der Nichts es geschafft hat diese äußerst unangenehme Infrastruktureinrichtungen bei mir in die Nähe zu bekommen.

00:10:17: Und deswegen muss ich alles dafür tun, damit meine Region nicht entlager Standort wird weil sonst werde ich ewig verufen sein und ich als Bürgermeisterin oder Bürgemeister bin dann noch mit für verantwortlich beziehungsweise konnte es nicht verhindern.

00:10:31: Also, das klingt nach einem sehr wirkungsvollen ... Vorhin haben sie ja Kraftvoll gesagt.

00:10:36: Ein kraftvoller Narrativ mit starken Bildern, dass sich leicht füttern lässt, jeder versucht zu verhindern so lange wie die Suche eben noch großflächig läuft und lang bis es vielleicht auch konkreter wird.

00:10:50: Ist da dann vielleicht ein geeigneter Zeitraum auch neue Narrative zu platzieren?

00:10:57: Können sich Narrative verändern, haben sie da vielleicht etwas aus der Geschichte oder aus vergangenen Planungsverfahren was Sie mit unseren Zuhörern teilen

00:11:07: können.

00:11:08: Ja genau das ist wirklich der Ansatz von uns gewesen da intensiver mal draufzuschauen.

00:11:13: ich habe das am Beispiel der Geschichte des Kernkraftwerks Grafen-Reinfeld gemacht und versucht nachzuvollziehen, die hat sich da eigentlich das Thema Widerstand und Akzeptanz entwickelt.

00:11:25: Und da ist es sehr interessant!

00:11:26: Da gibt's auch viele Parallelen zu anderen Infrastruktureinrichtungen wie große Autobahnen, große Schienenstrecken... Das sind ja auch die Themen die oft diskutiert worden sind in unserem Kosmos der Plannerinnen und Planer, dass wie entwickelt sich die Akzeptanz von Widerstand zu?

00:11:42: möglicherweise nicht nur eines hinnehmen sondern vielleicht sogar das man erkennen kann diese Einrichtung hat auch Vorteile gebracht.

00:11:48: Und beim Kernkraftwerk Grafen Rheinfeld dann muss man natürlich sagen da gibt es zunächst ja auch dieser vorherrschende Diffuse Angst vor der Atomstrahlung dem Angst vor dem Risiko von Unfällen Und auch das Gefühl einer gewissen Ohnmacht, also da sind große Konzerne und der Staat.

00:12:06: Das ist übrigens auch ein wunderbares Thema für einen Narrativ.

00:12:08: Ich sage mal David und Goliath als alttestamentarische Geschichte die sich hier anbieten würde.

00:12:13: Bei dem Kernkraftwerk in Grafenreinfeld habe ich dann festgestellt dass eine wichtige Rolle gespielt hat.

00:12:19: Einerseits natürlich faktisch es hat keine Störfälle gegeben Es hat keinen... Also die Fusenängste wurden nicht bestätigt.

00:12:28: Das zweite ist aber das ganze Thema Entwicklung des Wohlstandes.

00:12:32: Und da war ein Vorteil, dass solche Einrichtungen Gewerbesteuer abwerfen und zwar nicht zu wenig.

00:12:40: Und das heißt die Leute haben einfach gemerkt es geht weiter bergauf!

00:12:43: Und das hängt mit dieser großen Einrichtung zusammen.

00:12:46: man konnte dann sogar mehr Geld bezahlen an den Landkreis über diese Umlagen.

00:12:51: Und das heißt, die größere Region hat auch davon profitiert nicht nur die Standortgemeinde.

00:12:56: und ein dritter Aspekt ist für mich etwas, das mit persönlichen Kontakten zu tun hat.

00:13:02: Sie müssen sich vorstellen so ein Ort wie Grafen-Reinfeld ist keine Großstadt.

00:13:06: da geht es nicht anonym zu und wenn dort viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden kennt irgendwann fast jeder jemanden der in dem Kernkraftwerk arbeitet.

00:13:15: was bedeutet das?

00:13:16: Das bedeutet dass eine Einstellung entsteht wie unsere Jungs waren.

00:13:20: Hauptsache die arbeiten dort Und das kann doch auch nicht ganz falsch sein, die lügen nicht.

00:13:26: Dadurch ist so eine Identifikation auch entstanden in diesem großen Koloss den zwei Kühltürmen, die gehörten dann irgendwann... dazu.

00:13:35: Jetzt wurden ja im vergangenen Jahr die Kühltürme gesprengt, vielleicht können Sie da noch mal was teilen?

00:13:41: Was haben sie da beobachtet?

00:13:43: Ja also das ist wirklich interessant.

00:13:45: wir haben leider keine guten Umfragen machen können in der kurzen Zeit.

00:13:48: ich kann nur Eindrücke wiedergeben von vielen privaten Gesprächen aber auch vom der Medienlandschaft wie sie davon berichtet.

00:13:55: und da hatte ich so den Eindruck als zwanzig fünfzehn dass Kernkraftwerk abgeschaltet wurde gewissen Teilen oder vielleicht auch in breiten Teilen mit so einem gewissen Aufatmen.

00:14:06: Ah, diese Zeit ist jetzt vorbei!

00:14:07: Das Risiko haben wir nicht mehr... Als dann die Kühltürme gesprengt worden sind da habe ich den Eindruck gehabt dass das fast so ein bisschen eine wehmütige Stimmung erzeugt hat.

00:14:17: also da hat man gemerkt dass dann doch diese Kühltürme die ja so ne Landmarke auch hier im Schweinfutter Becken sind und weit hinsichtbar sind, dass die zu einer gewissen Identifikation auch geführt haben.

00:14:29: Die eben nicht nur negativer, sondern das gehörte einfach dazu.

00:14:33: Und insofern ein sicherlich gespaltenes Feedback dazu.

00:14:39: Also jetzt haben Sie nochmal einen Punkt aufgeworfen, die Kühltürme als Landmarke.

00:14:44: wie kann man sich das beim Endlager vorstellen?

00:14:46: Wir sprechen ja viel über Geologie aber es ist auch wichtig was an der Oberfläche entsteht.

00:14:51: Ja genau!

00:14:51: Das ist ein guter Punkt.

00:14:53: Also ich halte es für sehr, sehr wichtig auch was die Bildung von Narrativen angeht dass man viel mit Bildern arbeitet.

00:14:59: Das gehört ja bei den Narratifen auch dazu.

00:15:01: Jeder hat wenn er Rock from Dishwasher Tour Millionär das ist ein typisches Narrativ und hat Bilder vor Augen.

00:15:07: Und man muss sich ein Bild davon machen wie die Tagesanlagen aussehen und einen Bild davon wie das in den Berg hineingeht.

00:15:14: da kann man so mit Querschnitten Arbeit mit Modellen.

00:15:16: Die Schweizer haben das ganz schön gemacht und dadurch wird es ja konkret und fassbar.

00:15:22: Ich wollte jetzt noch mal zurückkehren oder auch zusammenfassen.

00:15:26: Also das Narrativ ... der Endlagersuche im Vergleich zum Narrativ von Atomkraftwerken.

00:15:32: Also das habe ich auch in dem Buch Atomenergie von Christian von Hirschhausen gelesen, dass das Narrativ an Atom Kraftwerken eher positiv war eben ein Versprechen in günstiger Energie und Wohlstand so wie Sie es auch aus Ihrer Recherche beschrieben haben.

00:15:50: Das heißt jetzt haben wir dieses Element ein positives Versprechen einen Mehrwert des Elementes Identifikation, aber auch diese emotionale Ebene.

00:16:02: Das ist ja jetzt alles sehr wichtig für das Endlager-Sofa-Fahren.

00:16:06: also glauben Sie seitens des Arbeitskreises dass es noch geschafft werden kann von der Horror Story des Atomklos der Republik hin zu einem erfolgreichen Endlagersofa fahren?

00:16:17: Dass man das noch lenken kann und dass auch dieser Entscheidung die Standortentscheidung letztlich zukünftig mehrheitlich akzeptiert würde toleriert, nachvollzogen.

00:16:27: Wenn ich so abschwächen würde also wie könnte man zumindest dahin kommen?

00:16:32: Also ich glaube da durchaus daran es wird ja jetzt auch wenn die Standortregionen identifiziert worden sind das wird gar nicht mehr so lange dauern.

00:16:40: dann wird es da eine neue Diskussionskultur geben in diesen Regionen und hier wird man auf viele Möglichkeiten haben zu versuchen dieses Narrativ umzudrehen.

00:16:50: Wir wollen langsam zum Ende unseres kurzen Gespräches kommen.

00:16:53: So möchte ich noch mal fragen, gibt es etwas was die seitens des Arbeitskreises auch noch an die Fahnsakteure empfehlen möchten?

00:17:01: Was sie damit geben möchten?

00:17:03: Sonst schreiben Sie ja eher als Akademie-Positionspapiere heute in Form das Podcasts.

00:17:09: Was wären Ihre

00:17:10: Empfehlungen?

00:17:11: Ja also wir haben... für den Arbeitskreis zwei Punkte, die uns da wichtig sind.

00:17:15: Der erste Punkt ist dass wir empfehlen für die Standortregion – ich nenne es jetzt mal so eine Win-Win Situation auch herzustellen.

00:17:23: Dazu bedarf es Überlegung für ein Regionalentwicklungsprogramm wie wir es ja auch schon kennengelernt haben bei den Braunkohle-Regionen, also dieser starke Transformation von einer Region die die Identität darin sah durch Braunkohletagebau und deren Verstromung.

00:17:42: Die Energieversorgung der Republik sicherzustellen zu einer neuen, modernen Region die mit nachhaltiger Energieversorgung und anderen technologischen Möglichkeiten weiterhin eine gute Entwicklung nehmen wird.

00:17:56: Soweit was müsste man für eine Standortregion eines Endlagers auch entwickeln?

00:18:01: Und dazu ist auch die Zeit und der Raum gegeben vor allem dann wenn die Standort-Regionen ermittelt sind im Rahmen der Regionalkonferenzen.

00:18:10: Das ist der eine Punkt Und der hängt ja direkt mit dem Thema Narrativ zusammen, also mit der Idee Umkehrung von Negativen.

00:18:20: Wir halten es für wichtig ein Forschungs- Projekt aufzusetzen, was ein Monitoring von Narrativen beobachtet.

00:18:28: Also ein Monitorings von Narration heißt zu beobachten wie sich Narrative im Laufe der Zeit zum Thema Entlage-Suchverfahren zum Thema Standortregion für das Endlager entwickelt und das ist glaube ich auch gerne so teure und verrückter Vorschlag sondern das ist etwas was man ausschreiben mit Hochschulinstituten mit einem guten Forschungsdesign und was glaube ich sehr viel mehr wert bringen würde, um dann auch Stellschrauben rechtzeitig zu finden für die Politik.

00:19:01: Um zu reagieren eben auf diese Strömungen, die manchmal nicht an der Oberfläche gleich erkennbar

00:19:07: sind.

00:19:08: Vielen Dank!

00:19:08: Herr Weitlich für diese Anregungen an die Kommunen, an die Behörden und an die Verfahrensakteure ganz allgemein.

00:19:16: Herzlichen Dank für das Gespräch und den Einblick in die Welt der Narrative!

00:19:21: Wenn ich es nochmal zusammenfassen würde... Ich habe jetzt aus unserem Gespräch hier herausgezogen.

00:19:26: Narrativ verdienen oft nach vereinfachten Darstellungen komplexer Problemstellungen.

00:19:32: Sie sind eigentlich auch gängiger Bestandteil öffentlicher Diskurse transportieren, unterschwelligen Werturteile und entwickeln sich auch weiter.

00:19:41: Es bleibt also für die Endlagersuche noch, die Chance zur Erfolgsgeschichte zu werden.

00:19:46: Daran arbeiten alle, die sich intensiv in der Suche engagieren – beruflich oder ehrenamtlich!

00:19:52: Und sie haben einen Ausblick gegeben.

00:19:55: Der Arbeitskreis empfiehlt, die von Horrorvorstellungen geleiteten Bilder und Narrative zu analysieren, ein Monitoring aufzusetzen zum Zeitpunkt der Bildung, der Standortregion nochmal eigene positive Narrative einzuführen.

00:20:13: Mehr zu diesen Empfehlungen und weiteren Veröffentlichen des Arbeitskreises finden Sie auch in unseren Shownotes!

00:20:20: Nun zum Abschluss Herr Weitlich möchte ich sie noch locken wenn sie unseren Hörerinnen und Hörern eine Alternative vielleicht auch positive Erzählung von der Endlager Suche transportieren möchten Welche wäre

00:20:32: da?

00:20:33: Ich stelle mir vor, zurückblickend aus der Zukunft in die Vergangenheit.

00:20:37: Dass es Deutschland gelungen ist... anspruchsvoll und sehr wissenschaftlich fundierten Verfahren mit guter Beteiligung interessierter Menschen einen allseits akzeptierten Standort für die Entlagung des hochradioaktiven Mülls zu finden.

00:20:52: Und die betroffene Region verbindet mit dieser Aufgabe, sich als eine Kompetenzregion für bergbauliche Entsorgungen zu profilieren und nimmt eine gedeihliche Entwicklung – das wäre mein Wunsch!

00:21:06: Ein schöner Abschluss Und doch möchte ich erst schließen mit dem Gedankenanstoß an Sie, liebe

00:21:11: Hörerinnen

00:21:12: und Hörern.

00:21:13: Wenn sie jetzt die Endlager Suche an den Standort denken, welches Bild tagt bei Ihnen

00:21:19: auf?

00:21:24: Roll mich gedacht ist ein Podcast der AAL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz Gemeinschaft.

00:21:30: Die Redaktion für diese Folge hatte Sarina Rüben Wissenschaftliche Begleitung Katharina Kapitzer Schnitt und Postproduktion ARL Musik Erik Herold.

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